Ein Wochenende voller Hoffnung
Am Wochenende habe ich es mal wieder gewagt. Für zwei Tage hatte ich mich zu einem Agility-Turnier beim HSV Sprendlingen angemeldet. Nach der Landesmeisterschaft im Juni wollte ich herausfinden, ob ich inzwischen wieder besser laufen kann oder ob die Knieschmerzen weiterhin vernünftige Läufe unmöglich machen.

Bevor es jedoch auf den Hundeplatz ging, stand am Donnerstag zunächst ein etwas unangenehmer Termin auf dem Programm: ein längerer Zahnarztbesuch. Ein Zahn und gleich zwei Wurzelreste mussten entfernt werden. Entsprechend aufgeregt war ich im Vorfeld.
Die Betäubungsspritzen waren zum Glück längst nicht so schlimm wie befürchtet. Das Gefühl eines komplett tauben Unterkiefers hingegen war schon ziemlich skurril. Ich kam mir vor wie Quasimodo persönlich, auch wenn der Blick in den Spiegel zeigte, dass das Ganze deutlich dramatischer wirkte, als es aussah. Leider hatten sich an zwei Wurzeln eitrige Fisteln gebildet. Dadurch konnte die Betäubung den Schmerz nicht vollständig ausschalten. Angenehm war das nicht, aber zum Glück durchaus auszuhalten.
Nachdem alles versorgt und vernäht war, lautete die Anweisung des Zahnarztes: zwei Tage Ruhe, ordentlich kühlen und regelmäßig Ibuprofen gegen Schmerzen und Entzündung einnehmen. Daran habe ich mich ausnahmsweise sehr gewissenhaft gehalten. Schließlich hatte ich ein Ziel vor Augen: Am Wochenende wollte ich bei hochsommerlichen Temperaturen mit Emmi an den Start gehen.

Doch entgegen aller Wettervorhersagen öffnete der Himmel am Samstagvormittag seine Schleusen. Unser erster Lauf, der Jumping 2, fand im strömenden Regen statt. Emmi und ich waren hinterher klatschnass, aber das störte mich in diesem Moment überhaupt nicht.

Denn zum ersten Mal seit fast anderthalb Jahren konnte ich wieder laufen, ohne bei jedem Schritt wegen meiner Knie die Zähne zusammenbeißen zu müssen. Und das lag sicher nicht nur an den Ibuprofen nach der Zahn-OP. Bei früheren Turnieren hatte ich teilweise deutlich mehr Schmerzmittel genommen und trotzdem jeden Meter gespürt. Dieses Mal war es anders. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, mich wieder frei und nahezu unbeschwert durch den Parcours bewegen zu können.
Was für ein Gefühl!
Natürlich war nicht alles perfekt. Hier fehlte noch ein letzter Schritt, dort passte das Timing nicht ganz. Trotzdem kamen wir durch den Parcours und belegten trotz zweier Verweigerungen und einer gefallenen Stange noch den dritten Platz. Viel wichtiger als die Platzierung war jedoch das Gefühl, endlich wieder richtig laufen zu können.

Mit dieser Motivation ging es in den A-Lauf. Auch hier blieben die Knieschmerzen erfreulicherweise im Hintergrund. Trotz einer Verweigerung aufgrund eines zu wenig gemachten Schrittes und zwei gefallener Stangen durch die jeweils etwas unglückliche Position am Sprung, reichte es am Ende für Platz zwei. Da viele Teams den anspruchsvollen Parcours gar nicht ins Ziel bringen konnten, waren wir mit unserem Ergebnis mehr als zufrieden.

Tatsächlich spielte die Platzierung an diesem Wochenende aber nur eine Nebenrolle. Viel bedeutender war die Erkenntnis, dass es endlich wieder vorwärtsgeht. Als ich später die Videos unserer Läufe anschaute, stellte ich fest, dass ich gar nicht so schlecht unterwegs war. Ich wirkte deutlich flüssiger als noch vor einigen Monaten und war am Ende nicht einmal besonders außer Atem. Mit den 13 Kilo mehr, die ich früher mit mir herumgetragen habe, sah das noch ganz anders aus.
Auch der zweite Turniertag verlief ähnlich positiv. Die Ergebnisse waren zwar weniger erfolgreich, aber meine eigene Leistung im Parcours fühlte sich erneut richtig gut an. In beiden Läufen konnte ich mich auf Emmi und die jeweiligen Aufgaben konzentrieren, ohne ständig durch Schmerzen abgelenkt zu werden.

Im A-Lauf sorgte ein klassischer Führfehler für das Aus: Ich hatte schlichtweg das Kommando und den Arm vergessen – keine Arme, keine Kekse, wie mein Trainer sagen würde. Emmi ließ daraufhin ein Hindernis aus und wir kassierten ein DIS. Im Jumping war ich dann einen Tick zu langsam, um ihr rechtzeitig die richtige Hürde anzuzeigen. Wieder ein DIS.
Aber wisst ihr was?
Es war mir völlig egal.
Nach langer Zeit fühlte es sich endlich wieder nach richtigem Agility an.
Mit diesem guten Gefühl im Gepäck machte ich mich abends mit noch drei weiteren Mädels vom Hundeverein auf den Weg zu den Burgfestspielen nach Dreieichenhain. Dort wartete als krönender Abschluss die Italienische Opernnacht auf uns. Unter dem Titel„L’Amore e la Rivalità“ präsentierten die Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit den Frankfurter Sinfonikern die großen Gefühle der italienischen Opernwelt: Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Sehnsucht und Rivalität.
Zwei Sopranistinnen, zwei Tenöre und ein Bariton verzauberten das Publikum mit wunderbaren Arien, Duetten und Ensembles aus berühmten Opern wie Tosca, Madama Butterfly, Otello, Don Carlos und La Traviata. Die beeindruckenden Stimmen füllten die historische Kulisse des Burggartens mühelos aus und sorgten immer wieder für Gänsehautmomente. Als die Künstler zum Finale ihre Zugaben anstimmten, hielt es schließlich kaum noch jemanden auf den Sitzen.
So endete ein Wochenende, das mir auf viele Arten gezeigt hat, dass sich Geduld auszahlt.
Die Zahn-OP habe ich überstanden, meine Knie scheinen endlich auf dem Weg der Besserung zu sein, Emmi und ich hatten wieder richtig Spaß im Parcours und obendrein durfte ich einen zauberhaften Sommerabend voller italienischer Opernklänge in Gesellschaft ganz lieber Menschen erleben.
Kurz gesagt: Es war ein Wochenende voller Hoffnung. ❤️
Nachtrag:































