Gestern Abend stand ausnahmsweise einmal nicht der Hundeplatz auf dem Programm. Nein, diesmal spielten die Hunde nur eine Nebenrolle – Frauchen ging aus. Ganz ohne Vierbeiner.

Gemeinsam mit einigen Mädels aus dem Hundeverein ging es zu den Burgfestspielen nach Dreieichenhain. Die Burgfestspiele gehören längst zu den festen Größen im südhessischen Kultursommer und locken jedes Jahr Tausende Besucher in die historische Kulisse der Burg Hayn. Dort werden über mehrere Wochen hinweg Konzerte, Theater, Kabarett und vieles mehr unter freiem Himmel aufgeführt.

Kurzentschlossen ließ ich das Auto in der Tiefgarage stehen und machte mich mit dem eRoller auf den knapp zehn Kilometer langen Weg Richtung Dreieichenhain. Schon die Anfahrt an einem warmen Sommerabend war die richtige Entscheidung.

An der Burg angekommen traf ich mich mit meiner Freundin, und bevor es kulturell wurde, überfielen wir erst einmal den Faselstall. Damit mich der Aperol Spritz nicht direkt aus den Latschen fegte, gab es für mich eine leckere Frikadelle mit Pommes. Beides war ausgesprochen gut, und der Aperol schmeckte bei den sommerlichen Temperaturen herrlich erfrischend.

Leicht beschwingt stießen wir anschließend zu den anderen Mädels vom Hundeverein. Einen zweiten Aperol Spritz habe ich mir allerdings verkniffen – man möchte schließlich noch wissen, wie die Geschichte ausgeht. 😉

Die Aufführung selbst fand vor der beeindruckenden Kulisse der Burg Hayn statt. Die ehemalige Stauferburg aus dem Mittelalter prägt bis heute das Stadtbild von Dreieichenhain und sorgt besonders bei Abendveranstaltungen für eine ganz besondere Atmosphäre.

Image by lapping from Pixabay

Auf dem Programm stand ausgerechnet „Romeo und Julia“ von William Shakespeare – eigentlich eher schwere Kost. Doch die Inszenierung war modern, überraschend frisch und sprach ganz offensichtlich auch ein jüngeres Publikum an. Wir haben jede Minute genossen.

Besonders Daniel Mandolini sorgte mit seinem Beatbox-Talent immer wieder für echte Aha-Momente. Dazu kam ein Ensemble, das mit viel Herzblut und Spielfreude auf der Bühne stand. So vergingen die gut zweidreiviertel Stunden fast wie im Flug.

Irgendwann verschwand die Sonne hinter den alten Mauern, und langsam kroch die Kälte auf die Tribüne. Der frische Wind sorgte für die eine oder andere Gänsehaut. Mein zu Hause sorgsam bereitgelegtes Jäckchen befand sich allerdings exakt dort, wo ich es zurückgelassen hatte: zu Hause. 😊

Der Rückweg mit dem Roller war eigentlich schnell geschafft. Das Stück zwischen Offenthal und Urberach hatte allerdings durchaus das Potenzial für einen kleinen Gruselfilm. Der von Wurzeln durchzogene Weg führte lange durch die dunkle Nacht, vorbei am Waldrand und entlang der Bahnlinie. Das Licht meines Rollers bemühte sich redlich, den Weg auszuleuchten, hatte gegen die Finsternis aber nur mäßigen Erfolg.

Nach etwa 25 Minuten erreichte ich jedoch unversehrt mein Ziel.

Zu Hause angekommen wurde ich von den Hunden begrüßt, als wäre ich mindestens drei Wochen auf Weltreise gewesen. Nach ein paar ausgiebigen Streicheleinheiten fiel ich schließlich glücklich und müde ins Bett.

Manchmal braucht es gar keine große Reise – ein Sommerabend mit Freunden, etwas Kultur, ein Aperol Spritz und eine alte Burg reichen vollkommen aus, um den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen. 🍹🏰🐾

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