Frühsport

… für die Mantrailer

In den letzten Wochen musste das Mantrailing-Training in unserem Verein aufgrund der sommerlichen Hitze leider häufig ausfallen. Deshalb haben wir Trainer uns überlegt, zumindest einigen Teilnehmern eine Trainingseinheit in den frühen Morgenstunden anzubieten. Zunächst standen dabei die Teams im Fokus, die im Herbst eine Prüfung laufen möchten.

Die besondere Herausforderung: Der Trail sollte als sogenannter Double-Blind-Trail ausgearbeitet werden. Das bedeutet, dass weder der Hundeführer noch die Begleitperson den Verlauf des Trails kennen. Beide müssen sich vollständig auf die Fähigkeiten des Hundes verlassen – ähnlich wie später in einer Prüfungssituation.

Bis in die Haarspitzen motiviert standen daher am Samstagmorgen drei Teilnehmer mit ihren Hunden bereit, um einen Prüfungstrail zu absolvieren. Die Trails waren an eine MT1-Prüfung angelehnt: etwa 300 Meter lang und mit zwei Richtungswechseln versehen.

Schnell zeigte sich, dass es durchaus etwas mit den Menschen – und damit auch mit den Hunden – macht, wenn niemand den Trailverlauf kennt. Ausnahmslos alle Teams verdattelten sich bereits an der ersten Kreuzung und mussten neu angesetzt werden. Offenbar überträgt sich eine gewisse Unsicherheit des Menschen unmittelbar auf den Hund.

Ebenso zeigte sich, dass selbst die vergleichsweise angenehmen morgendlichen Temperaturen von rund 20 Grad für die Hunde durchaus fordernd waren. Die meisten Menschen empfinden diese Temperaturen noch als angenehm, doch für arbeitende Hunde sieht die Situation anders aus. Direkt über Asphaltflächen herrschen auf Nasenhöhe häufig deutlich höhere Temperaturen. Zudem beeinflussen Wärme, Sonneneinstrahlung und aufsteigende Luftströmungen die Verteilung der Geruchspartikel erheblich. Gerüche steigen auf, verwirbeln und verteilen sich anders als bei kühlem Wetter, was die Nasenarbeit deutlich anspruchsvoller macht.

Am Ende hatten jedoch alle Teams Erfolg und fanden ihre Versteckperson. Für uns Trainer waren die Trails äußerst aufschlussreich, denn sie zeigten sehr deutlich, worauf wir in den kommenden Wochen im Training besonders achten müssen.

Ganz zum Schluss durfte dann auch Sassy einen Prüfungstrail absolvieren. Da sie meistens etwas zu kurz kommt und deshalb nur unregelmäßig trailt, war ich sehr gespannt, wie sich die alte Lady schlagen würde.

Auch ihr merkte man die sommerlichen Temperaturen an. Zwischendurch nahm sie immer wieder den Kopf hoch und suchte mit den Augen nach Orientierung. Solche Kopfbewegungen sind beim Trailen nichts Ungewöhnliches: Hunde wechseln je nach Geruchslage zwischen Boden- und Luftwitterung und versuchen dabei, die für sie besten Informationen aufzunehmen.

Trotzdem arbeitete Sassy konzentriert und ruhig weiter. Ohne größere Abweichungen fand sie schließlich ihre Versteckperson. Sichtlich müde, aber mit sich und der Welt zufrieden, trat sie nach einer großen Schüssel Belohnung den Rückweg zum Auto an.

Dabei wird einmal mehr deutlich, welche Leistung unsere Hunde beim Trailen vollbringen. Ein Hund verfügt – je nach Rasse – über bis zu 300 Millionen Geruchsrezeptoren und verarbeitet Gerüche in einem Gehirnbereich, der im Verhältnis deutlich größer ist als beim Menschen. Die permanente Aufnahme, Bewertung und Unterscheidung von Gerüchen ist daher nicht nur körperliche, sondern vor allem auch intensive mentale Arbeit.

Wieder in ihrer Box angekommen, ruhte Sassy erst einmal aus. Daran sieht man sehr schön, wie anstrengend konzentrierte Nasenarbeit für unsere Hunde sein kann.

Zu Hause angekommen, durfte sie – stolz wie Oskar – den Rest des Tages entspannen. Und ich glaube, sie war mindestens genauso zufrieden mit sich wie ich mit ihr.

🐾 Gut gemacht, Sassy! 🐾

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